Jôrg v. Greifenstein 

Zu Beginn des dritten Kreuzzuges im Jahr des Herrn anno 1189, mußte auch mein Vater, der schon leicht ergraute Graf von Greifenstein zu seiner Gefolgschaft stehen, und sich mit den Pilgern und Rittern des deutschen Kaisers, Friedrich I. von Stauffen (Barbarossa), aufmachen und diesem ûber den Landweg ins Heilige Land folgen.

1190, man hatte gerade in Anatolien seldschukischen Boden betreten, geriet das deutsche Heer in Konya in einen Hinterhalt der Seldschuken, und man mußte fûrchterliche Verluste hinnehmen. Mein Vater fiel bereits bei der ersten Angriffswelle einem Pfeilhagel zum Opfer. 

Etwa zur gleichen Zeit, gebar meine Mutter, die Grafin von Greifenstein, die beim Fortgang meines Vaters die Schwangerschaft verschwiegen hatte, mich, den heißersehnten Sohn, den sie Jôrg nannte. Da sie mich nicht auf der halb verlassenen Burg Greifenstein zur Welt bringen wollte, war sie zwei Monate nach der Abreise meines Vaters nach Bremen aufgebrochen, wo sie im Beisein einer lieben Cousine die Geburt erwartete. Die Nachricht, daß ihr Mann gefallen war, erreichte sie deshalb erst zu meinem 1. Geburtstag. 

Nach der Rûckkehr auf die Feste Greifenstein, ließen es sich die Grafen von Nassau nicht lange nehmen, der noch jungen Witwe und Mutter ihre Aufwartung zu machen. Natûrlich nicht ohne Hintergedanken, denn Greifenstein hatte eine ausgesprochen gûnstige, strategische Lage an der Handelsstraße von Frankfurt nach Antwerpen.
Doch meine Mutter dachte nicht im Traum daran, durch diese Werbungen
und einer môglichen spâteren Heirat mein Erbe auf´s Spiel zu
setzen, und lehnte somit die Angebote dankend ab. Die Grafen waren
darûber reichlich ungehalten, und ihre Angebote wandelten sich in Drohungen. Viele Jahre konnte meine Mutter den Drohungen standhaft begegnen, doch kurz nach meinem zehntem Geburtstag mußte sie angesichts einer bevorstehenden Belagerung durch die Grafen von Nassau das Feld râumen und floh nach Franken, wo die Grafen von Ippesheim, die entfernte Verwandte meines Vaters waren, ihr eine Zuflucht anboten. Das diese Herren ihr Vermôgen durch Raub und Mord erlangt hatten, sollte ihr noch einige Jahre verborgen bleiben. 

Ich wuchs heran und genoß auf der Burg der Grafen von Ippesheim die
Ausbildung vom Knappen zum Ritter. Erst als ich fûnfzehn war, erfuhr meine Mutter aus sicherer Quelle was sie schon seit lângerem befûrchtet hatte. Die Ippesheimer waren wohl nicht sonderlich ritterlich. Kurz vor meinem 16.Geburtstag erkrankte meine Mutter an einem Fieber, von dem sie sich nicht wieder erholte. Der Tod der ehemaligen Herrin von Greifenstein, kam den Ippesheimern sehr zu paß. Sie schickten mich zur Vollendung meiner Ausbildung zum Grafen von Speckfeld, vor dem sie trotz all ihrer eigenen Unregelmâßigkeiten großen Respekt hatten. Dort lernte ich den zukûnftigen Graf von Lôwenfels kennen, der bereits seinen Abschluß absolviert hatte. Sowohl Graf als auch Graf, trainierten mit mir so hart, daß ich noch binnen Jahresfrist ebenfalls meinen Abschluß zur Ritterschaft machen konnte. Thomas von Lôwenfels und auch der mir erst spâter bekannt gewordene Jôrg von der Welfenburg, wurden meine guten Freunde und Waffenbrûder. Als Graf Jôrg von Greifenstein jedoch , mußte ich mich nun erst einmal um mein verlorengegangenes Erbe, die Burg von Greifenstein kûmmern. Und so verließ ich zunâchst meine frânkischen Waffengefâhrten um zu retten, wo nichts mehr zu retten war. Doch dies steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Euer Greif